Ich werde oft gefragt, ob ich meine Buecher mit KI schreibe. Die kurze Antwort: nein. Die lange Antwort ist eigentlich auch nein, aber sie erzaehlt nebenbei eine Geschichte, die ich ziemlich verrueckt finde.
Ich habe ueber ein Jahr an meinem Roman geschrieben. „Echo der Zeit", ueber 500 Seiten, Fantasy, Leonberg im Jahr 1614, eine Dreizehnjaehrige zwischen zwei Welten. Jede Szene habe ich selbst geschrieben. Nachts meistens, wenn Alicia — meine echte Alicia, nicht die im Buch — endlich geschlafen hat. Manchmal mit kaltem Kaffee, manchmal mit dem Gefuehl, dass der Plot mich in eine Sackgasse gefuehrt hat und ich drei Kapitel wegwerfen muss.
So schreibt man ein Buch. Da hilft keine KI. Eine KI kann Saetze bauen, klar. Aber sie weiss nicht, wie sich Leonberg im November anfuehlt, wenn der Nebel so tief haengt, dass man das Schloss nur erahnen kann. Sie weiss nicht, warum ich ausgerechnet Herzogin Sibylla zur Figur gemacht habe. Sie kennt nicht das Gefuehl, wenn man um drei Uhr morgens ploetzlich weiss, wie das Kapitel enden muss — und nicht aufhoeren kann zu tippen.
Buecher brauchen einen Menschen. Das wird sich so schnell nicht aendern.
Aber dann kam der Film.
Mein erstes Kinderbuch, „Sonja und die Mondfee", war fertig. Und Vitalii — mein Mann, Illustrator, Animationskuenstler und der geduldigste Mensch, den ich kenne — sagte irgendwann: „Wir koennten daraus einen Film machen."
Frueher haette ich gelacht. Ein Film? Wir zwei? Ohne Studio, ohne Budget, ohne Team? Das war eine Idee aus der Kategorie „schoen waer\'s".
Nur dass es heute keine Fantasie mehr ist. Mit KI-gestuetzter Animation haben wir einen Kurzfilm produziert. Vitalii hat jede Szene konzipiert, den visuellen Stil festgelegt, die Bildsprache bestimmt. Die KI war sein Werkzeug — nicht sein Ersatz. Und das Ergebnis war gut genug, um es beim World AI Film Festival in Cannes (waiff.com) einzureichen.
Cannes. Wir. Aus Leonberg.
Ich muss das manchmal noch selbst sacken lassen.
Und das ist der Punkt, ueber den ich eigentlich schreiben will: nicht ueber Technik, nicht ueber Algorithmen, sondern darueber, was das fuer Autoren bedeutet. Fuer alle Autoren.
Jeder Schriftsteller, den ich kenne, hat irgendwann davon getraeumt, seine Geschichte verfilmt zu sehen. Die eigenen Figuren, die ploetzlich laufen und sprechen und atmen. Bisher war das ein Traum, der von anderen abhing — von Verlagen, Produzenten, Leuten mit Geld und Kontakten. Man konnte jahrelang schreiben und hoffen und warten.
Das aendert sich gerade. Nicht theoretisch. Nicht „in Zukunft". Jetzt. Ein Autor mit einer guten Geschichte und dem richtigen Partner kann seinen eigenen Film machen. Keine Erlaubnis noetig. Kein Warten auf den Anruf, der nie kommt.
Die Geschichte muss man trotzdem selbst erzaehlen. Die Seele muss man trotzdem selbst hineinlegen. Aber die Tuer, die frueher verschlossen war? Die steht offen.
Wir gehen durch.
Anna-Mariia Kostiuk lebt und schreibt in Leonberg. „Echo der Zeit, Band 1" ist in Druckvorbereitung. Den KI-animierten Kurzfilm zu „Sonja und die Mondfee" hat sie zusammen mit Vitalii Kostiuk produziert.
